Sonne unter Samoa

Das Gala-Drama

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Sonne unter Samoa

BESETZUNG
4 Darstellerinnen, 1 Darsteller

PUBLIKATION
Patrick Schneider, Kapitale Dramen
192 Seiten in Fadenheftung, Offset, illustriert
Design: Damian Maria Domes
Musik: David Loscher
Link: Website der Publikation

In dieser Ausgabe!

SPOTS

SAMOA                      
Pazifischer Ozean, Archipel von Samoa, Blaue Lagune, Der viertschönste Strand der Welt, Gebüsch des tropischen Regenwaldes, Ewige Quelle, Reißende Strömung, Der Regenbogen des Wasserfalls, Samoanische Stätte, Yacht auf stürmischer See,  Unter der Welle auf Rekordniveau und Der stille Ozean.

MENSCHEN

HANNAH                   
ist die reichste Frau Deutschlands und mit 89 Jahren Grande Dame des Unternehmertums. Ihr Ehemann, in dessen Automobilkonzern sie als Sekretärin die Karriere begonnen hatte, ist vor langer Zeit verstorben. Hannah sieht trotz ihres hohen Alters fantastisch aus. Sie trägt einen Teint von der monegassischen Sonne, unter der sie die Hälfte des Jahres verbringt. Wir treffen Hannah im Hotel de Paris, wo sie eine Suite bewohnt. Im persönlichen Gespräch erzählt sie uns ihre Sorgen um die Zukunft. Lesen Sie, wie es gut ausgeht.

SAMARIA                  
ist Hannahs Pflegerin von exotischer Schönheit. Während des Interviews steht sie stoisch an ihrer Seite. Als gebürtige Samoanerin ist Samaria hilfsbereit und spricht ein perfektes Deutsch. Was macht diese Frau mit Migrationshintergrund so ehrgeizig? Und was führt sie im Schilde? 

UNA                          
ist Hannahs liebste Enkelin und Cousine von Felix. Una ist Botschafterin für UNICEF. Sie hat die Welt bereist und alles gesehen, das größte Elend und den fürstlichsten Reichtum. Sie sagt von sich selbst, sie sei in beiden Welten zuhause. Dafür wird sie von allen bewundert. Vor Jahren hatte Una eine heiß diskutierte Beziehung mit dem wilden de Rothschild. Wie lange will diese tolle Frau noch Single bleiben? Wir zeigen, welche Figur sie bei ihrem Kurztrip unter die Sonne von Samoa macht.

FELIX                         
ist Enkel und Beau von Deutschland. Er hat ein Faible für Startups der Technologie-Szene. Seit sechs Wochen ist der Frauenschwarm mit der österreichischen Jungunternehmerin Hede verlobt. Insider sprechen hinter vorgehaltener Hand über eine baldige Hochzeit. Anfang des Jahres war er noch mit einer Horde Frauen auf einem Hotelzimmer gesehen worden. Der Hotelangestellte berichtet: „15 Madls auf einen Streich, er ist mein Held!“ Wie lange wird Felix an Hedes Seite treu bleiben? Lesen Sie jetzt von den noch nie gezeigten Bildern ihres ersten Kusses!

HEDE                         
…wer kennt sie nicht? Die Aufsteigerin des Jahres, die von ihren Feinden neidisch „Blitzkrieg-Hede“ genannt wird! Sie und ihre Schwestern gründeten „Web.2“. Mit „Web.2“ ist es den dreien erstmals gelungen, ökonomische Strategien der Kunst auf das Entrepreneurship zu übertragen. Ihre futuristische Unternehmensführung und die digitalen Reproduktionen machten sie zu Milliardärinnen. Hede ist auch als Schriftstellerin erfolgreich. Sie schrieb den Lebensratgeber Präsenz und Kapital. Was Sie reich macht und die Autobiografie Mein Kampf. Siegeszug als Hyperfeministin. Warum sich die seriöse Geschäftsfrau gerade in Felix verliebt hat, erfahren Sie hier!

ERSTER SPOT :
ARCHIPEL VON SAMOA

HANNAH        
Wir sind Menschen. Es ist traurig. Lass uns Abschied nehmen. 

SAMARIA       
Sie fahren dahin.

HANNAH        
Schwups.

SAMARIA       
Schon sind sie nicht mehr zu sehen.

HANNAH        
Du hast wahrscheinlich jeden Einzelnen gekannt. 

SAMARIA       
Ich bin als Kind mit meinen Eltern ausgewandert. 

HANNAH        
Weißt du noch, was sie gesagt haben?

SAMARIA       
Tōfā.

HANNAH        
Tschüss! 

SAMARIA       
Nur die Toten bleiben zurück. 

HANNAH        
Ich habe nach meiner Jugend gedacht, ich erlebe nichts mehr. Aber entgegen jeder Spekulation findet die langweiligste Epoche hier ihr Ende. Ein Ende, das manche heraufbeschworen haben, doch nur wenige in seinem gesamten Ausmaß erkannt. Ich hätte eher darauf kommen können. Es muss wieder ein Volk dahingehen.

SAMARIA       
Hoffentlich werden sie mit offenen Armen empfangen. 

HANNAH        
Es gibt Land wie Sand am Meer in Australien. Beinahe könnte man annehmen, die Armen haben es dort besser als ich. Ist das nicht beruhigend? 

SAMARIA       
Die Geschichte wird sich an sie erinnern.

HANNAH        
Wie kann ich mich verwehren, wenn es morgen heißt, eine Frau rettet ein ganzes Volk? Die eine Hälfte war man mir schuldig, die andere Hälfte setze ich als Spende ab. Man hat mir dieses Paradies geschenkt. Schau dich um! Der Berg erinnert dich an die Alpen. Dann denke an diese ganze Propaganda um Klima, Meeresspiegel und Boden. Es sieht doch ein intelligentes Wesen mit seinen eigenen Augen, dass diese Insel niemals untergeht. Sie ist für die Ewigkeit.

SAMARIA       
Tōfā!

HANNAH        
Das ist also der Ort, an dem ich mir seit der Kindheit vorgestellt habe, mich zu begraben. 

SAMARIA       
Sie müssen nicht sterben.

HANNAH        
Im Leben war ich mir zwei Dingen gewiss. Ich sterbe so oder so, und alles bleibt, wie es ist. Bei Letzterem habe ich mich geirrt. Der demokratische Stillstand wird vorübergehen. Vielmehr entscheidet es sich heute, welchen Lauf die Welt nimmt. 

SAMARIA       
Der Sozialismus wird sich an Sie erinnern. Er schließt die Lebenden und alle Toten ein. 

HANNAH        
Solltest du gewinnen, werde ich ihn mit meinem Testament auf den Weg gebracht haben. Aber du traust meinen Enkeln zu viel des Guten zu. Du wünschst, sie würden es unversucht lassen, mein Werk zu vollenden.  Samaria, du bist nicht nur meine Pflegerin, du bist auch eine Träumerin. 

SAMARIA       
Die Liebe ist ihnen wichtiger als das Kapital.

HANNAH        
Seit du in meiner Obhut bist, redest du so daher. Jedes Mal muss ich dich bitten, diese allzu klugen Sprüche sein zu lassen. Sie stehen dir nicht.

SAMARIA       
Verzeiht.

HANNAH        
Sei jetzt still und genieße mit mir den Moment. Er kommt so schnell nicht wieder. Mir ist eine Schneise in der Geschichte geglückt. Vor uns spielt sich ein historisches Spektakel ab. Samaria, in deinem Alter wäre ich dafür blind gewesen. Die Reife hat mich sehend gemacht. Über die Weltläufe denkt man in meinem Alter nach. Da wird das Persönliche gleichgültig. Außerdem lernt man seine Kräfte einzuschätzen. Man weiß endgültig zu gestalten. Die ganze Erfahrung einzubringen, wohin die Reise geht. Die eigene Bedeutung zu erkennen, die einen überlebt. Nicht umsonst gelebt zu haben. Das ist in den letzten Zügen wesentlich. Ich verrate dir etwas. Wo bisher Chaos war, schöpft sich nun eine neue Ordnung. Nennen wir sie beim Namen. Sie heißt Neofeudalismus. Das Ende und der Anfang werden eins sein. Alles wird sich immerzu nur ums Monopol drehen. Glaube mir, Samaria, glaube! Noch meint eure Generation, es sei nebensächlich, warum es fließt und wo es sich bündelt. Aber im Grunde geht es nur den einen Weg, und ich werde ihn rechtzeitig gewiesen haben. 

SAMARIA       
Es ist gut, sich um das Morgen zu sorgen, solange Sie noch auf der Welt sind.

HANNAH        
Wieder so ein Satz. 

SAMARIA       
Egal woher wir kommen, solange wir leben, können wir das eigene Leben nutzen für eine Welt nach uns.

HANNAH        
Wer erlöst mich von dir? 

SAMARIA       
Ich kann nicht anders.

HANNAH        
Dein Engagement hat mir zu denken gegeben.

SAMARIA       
Darf ich ehrlich zu Ihnen sein?

HANNAH        
Ich bitte darum. 

SAMARIA       
Ich habe lange darüber nachgedacht. 

HANNAH        
Sprich.

SAMARIA       
Ich kann die Wette nicht annehmen.

HANNAH        
Es reicht. Das entscheidest nicht du.

SAMARIA       
Ich möchte nicht unverschämt sein, ich habe meine Bedenken.

HANNAH        
Bisher hattest du stets eine große Klappe. 

SAMARIA       
Ich möchte nicht unverschämt sein. Ich habe so eine Vorahnung, dass ich recht behalte. Denken Sie nur daran, was man über Felix und Una liest. Er hat sich verliebt, sie arbeitet als Botschafterin für die Ärmsten. 

HANNAH        
Ich war bisher ein falsches Vorbild. 

SAMARIA       
Ich konnte den Lauf der Welt bis heute nicht verändern. 

HANNAH        
Keine Widerrede! Entweder es wird fortleben, was mein Erbe ist. Oder du sollst deine Chance bekommen. Alles, was mir gehört, wirst du dann für deine bessere Welt haben.

SAMARIA       
Ich will nicht. 

ZWEITER SPOT :
BLAUE LAGUNE

HANNAH        
Wer steigt da aus den Wellen? 

SAMARIA       
Sie schüttelt aus ihrem Haar das Wasser.

HANNAH        
Es ist Una.

SAMARIA       
Sie ist ein Engel. 

HANNAH        
Hätte ich noch eine, Una wäre mir die liebere.

SAMARIA       
Woher kommt sie nur? 

HANNAH        
Sie ist den weiten Weg hierher geschwommen. 

SAMARIA       
Sie war Leistungssportlerin. Was sie anfasste, wurde zu Gold.

HANNAH        
Felix und sie sind der Ersatz für meine missratenen Söhne. Sie sind mir das Einzige, was diese Nichtsnutze der Familie eingebracht haben.

SAMARIA       
Die Zukunft deiner Familie liegt in ihren Händen. 

UNA                
Ganz schön stürmisch da draußen.

HANNAH        
Sie soll alles bekommen, wenn sie nur will. 

UNA                
Wenn ich aus dem Meer steige, habe ich immer das sehnliche Bedürfnis, meinen nackten Körper von der Sonne trocknen zu lassen. 

HANNAH        
Gib ihr ein Handtuch!

UNA                
Bei dir bemerkt man noch, dass du eingeheiratet bist. 

HANNAH        
Kind, morgen sieht es die ganze Welt.

UNA                
Ich mache mir keine solche Gedanken. 

HANNAH        
Wo bist du gewesen?

UNA                
Auf der anderen Seite. 

SAMARIA       
Hattest du eine kurze Reise?

HANNAH        
Luft oder Wasser? 

UNA                
Wasser. 

HANNAH        
Du hast die Zeit auf deiner Seite. 

UNA                
Ich habe eine Abkürzung genommen. Ich bin so gespannt.

HANNAH        
Hauptsache du hast es nicht beschwerlich gehabt, mein Kind. 

UNA                
Weswegen treffen wir uns ausgerechnet hier? Samaria? Samoa?

HANNAH        
Rate!

UNA                
Du hast dir diesen schönen Fleck auf der Landkarte gekauft.

HANNAH        
Sie war schon immer hochbegabt.

SAMARIA       
Zweifelsohne.

UNA                
Es freut mich. Ein wunderbarer Ort. So viel Sonne, See und menschenleer. 

HANNAH        
Es ist eine Insel wie auf Bildern. Als bliebe die Zeit stehen.

UNA                
Wünscht man sich mehr? Nirgends ein aufdringlicher Blick. Wir dürfen uns frei fühlen wie Adam und Eva. 

HANNAH        
Es soll meine Ruhestätte werden.

UNA                
Großartige Vorstellung! Du wirst eine Aussicht haben wie von den Alpen. Die Welt beneidet dich jetzt schon. Es ist die größte Insel, die je ein Mensch nur für sich ganz allein besessen hat. 

HANNAH        
Ich musste sie einfach haben. Man hat sie mir geschenkt.

UNA                
Die Samoaner sind wunderbar. 

HANNAH        
Friedlich, genügsam und aufopfernd. 

UNA                
Man glaubt es kaum, dass diesen Menschen Geld nicht wichtig war. 

HANNAH        
Vielleicht waren sie immun? 

UNA                
Dann waren sie die Letzten, die sich nichts daraus gemacht haben. 

SAMARIA       
Es gibt allerhand Theorien.

UNA                
Wir hätten von ihnen lernen können.

HANNAH        
Wir haben noch Samaria.

UNA                
Samaria – eine wunderbare Vorstellung! Daran habe ich auch schon gedacht. Bist du immun gegen die Gier? 

SAMARIA       
Ich verabscheue Neid. 

UNA                
Du bist ein Engel.

HANNAH        
Man glaubt es ihr auf’s Wort. 

UNA                
Sie schaut immerzu so glücklich aus, als würde ihr gar nichts Sorge bereiten.

HANNAH        
Dieser Mensch hat noch Hoffnungen und Träume. 

UNA                
Ich bin zu unterschiedlichen Rassen gereist. Glaube mir, Oma, da sieht man die sonderlichsten Zustände, von denen wir etwas lernen können.

HANNAH        
Die Welt ist schrecklich. 

UNA                
Dann denkt man an sich selbst und an unsere Welt, in der Hoffnungen und Träume keinen Wert mehr haben. Wo soll das hinführen, fragt man sich dann. Man bekommt den Eindruck, dass wir die Todesbringer sind, dass unsere Zivilisation den Tod in alle Regionen bringt. Und dass wir in der westlichen Zivilisation selbst schon Tote sind. Lebende Tote. Tote, die immerzu weitermachen müssen. Meint ihr nicht auch, wenn wir wirklich einmal tot wären, dass es der einzige Zustand sein wird, in dem wir zur Ruhe kommen? In dem wir erst unseren Frieden finden? In dem unser Bewusstsein zu seinem Frieden kommt? Und dieser Frieden wird lohnender sein als unser ganzes unruhiges Leben, das wir bis dahin verbracht haben. Dieses nervöse und rastlose Dasein, in dem wir uns nicht endgültig befriedigen können, wäre dahin, so dass die Stille einkehrt. In der wir das Leben an sich erkennen. Und in dieser Erkenntnis hebt sich die Unruhe und die Entfremdung auf und lösen sich auf für einen Moment, der ein Durchgang sein könnte zum neuen Leben, zum neuen Menschen, zur anderen Welt. Vielleicht ist der Tod für unsereins der Weg zum Besseren. Das sind solche Gedanken, die ich mit mir herumtrage, wenn ich unterwegs bin. 

HANNAH        
Du hörst dich an, als würde dich etwas bedrücken. Hast du auch von diesem schrecklichen Zwischenfall gehört? 

UNA                
Lass uns nicht drüber reden. 

HANNAH        
Dein Cousin hat sich verlobt. Sein gesamtes Vermögen, was ich ihm geschenkt habe, will er dieser Unperson in den Schlund werfen. Das muss man sich mal vorstellen. 

UNA                
Das muss ich mir erst vorstellen.

HANNAH        
Ich bin keine Rassistin. Es ist eine Österreicherin. Diese Unperson hat einen Ton drauf. Man kann es allerorts hören. Es geht mich als Großmutter zwar nichts an, was ihr in eurer Freizeit treibt. Aber es ist nicht eure freie Zeit, nicht als meine Enkel! Wenn diese verkommene Generation das, was ich vorbereitet habe, nicht zu schätzen weiß, ist sie es auch nicht wert.

UNA                
Schlimm.

HANNAH        
Ich mache mir große Sorgen. Ich kann kaum noch schlafen. Frag Samaria! Man erfährt so allerhand. Sie muss ein Jemand sein, der sich alles unter den Nagel reißt. Sie saugt uns aus. Kein Cent bleibt im Trockenen. Wieso habe ich nur einen gutgläubigen, lieben Enkel, der die Gefahren nicht begreift? Aber ich werde das zu verhindern wissen. Una!

SAMARIA       
Ich sehe zwei Punkte am Himmel. 

DRITTER SPOT :
DER VIERTSCHÖNSTE STRAND DER WELT

UNA                
Schaut ihn euch an! Der schöne Beau! Kommt geflogen an einem goldenen Fallschirm. 

HANNAH        
Die andere, die da vom Himmel fällt, wird dieses Monster sein. 

SAMARIA       
Sie fliegt schnell.

HANNAH        
Was findet er bei ihr, das er nicht anderswo hat?

UNA                
Er ist beeindruckt von ihrer Aggressivität. Für ihn ist Liebe ein Masochismus. 

HANNAH        
Das können wir ändern. Es haben sich schon so viele in ihn verliebt, und er hat doch jede wieder abgestoßen.

SAMARIA       
Was man nicht alles liest. 

UNA                
Er scheint ernst zu machen. Er kommt auf den Boden. All diese Frauen, die Konkurs anmelden durften wegen unserem Beau, sind nun Vergangenheit. Jung und alt waren sie. Schön und schöner. Reicher und reich. Sie hatten keine Chance.

FELIX              
Dank dir! Deine Worte kommen von Herzen. 

HANNAH        
Wie hat sie nur dieses Werk vollbracht? Ich bin enttäuscht.

SAMARIA       
Sie landet abseits.

UNA                
Ich gratuliere. 

FELIX              
Ich bin beruhigt, dass du nicht mehr eifersüchtig bist auf all die hübschen Dinger, die mich hatten und du nicht. 

UNA                
Hört ihn euch an, den Beau, unser Dracula. Er beißt, bevor er küsst. 

HANNAH        
Der Vampir unter uns ist eine andere. 

FELIX              
Die Morbidität deiner Enkelin übertrifft meine allemal.

SAMARIA       
Sie ist herunter gekommen.

HANNAH        
Ganz meiner Meinung.

UNA                
Felix will die Liebe entdeckt haben. 

HEDE              
Das nächste Mal nehme ich den Hubschrauber.

HANNAH        
Besitzt sie kein Flugzeug?

UNA               
Hede, der Fallschirm steht dir ausgezeichnet.

HANNAH        
Das nächst Mal im freien Fall.

UNA                
Wo haben wir uns zuletzt gesehen?

HEDE              
China, Cayman, Cannes?

FELIX              
Cayman.

UNA               
Wie haltet ihr es nur miteinander aus?

HEDE              
Wir sind Zwillinge.

FELIX              
Zweieiige. Sie kam nach mir. Sie ahmt mich nach.

HEDE              
Er verzeiht mir nicht, dass ich eine seiner lukrativsten Ideen kopiert habe. 

FELIX              
Ich habe sie daraufhin geschluckt.

HEDE              
Pyrrhussieg.

HANNAH        
Ekelhaft.

FELIX              
Noch gehört mir alles, was ihr gehört hat.

HEDE              
Und was ihm gehört, gehört morgen alles mir. Wie ihr überall lesen durftet, ist mir die raffinierteste Übernahme gelungen, die je geglückt ist. Die Kopie frisst das Original! 

UNA                
Gleichberechtigte Partner sozusagen.

SAMARIA       
Ab jetzt gehört allen alles.

FELIX              
Das scheint nur.

HANNAH       
Soweit kommt es nicht! Bis heute seid ihr nur verlobt.

HEDE              
Hübsche Insel… 

FELIX              
Welch ein Berg… 

HEDE              
Strand ringsherum.

FELIX              
Reich an Palmen.

HEDE              
Endlos viel Sonne.

UNA                
Meer, wohin man schaut.

FELIX             
Ein perfekter Ort für Flitterwochen.

HEDE              
Ohne Presse. Ohne Zaungäste.

UNA                
Gratulation! Ich kann es immer noch nicht glauben. Es werden 13 Milliarden fusionieren! Wann ist es soweit?

HANNAH        
Nicht auch noch fusionieren.

FELIX              
Fusioniert sind wir bereits!

HANNAH        
Ich traue meinen Ohren nicht!

UNA                
Für sie hört beim Fusionieren die Liebe auf. 

HEDE              
Es war eine freundliche Übernahme!

FELIX              
Feindliche.

HEDE              
Dummkopf.

HANNAH        
Ist er auf den Kopf gefallen?

UNA                
Und niemand hat es spitzbekommen.

HANNAH        
Wie war das möglich!

SAMARIA       
Wer hätte sich das gedacht?

FELIX              
Unsere Anwälte haben Schweigepflicht.

HEDE              
Sie waren flink wie selten zuvor.  

HANNAH        
Mein Vermögen verschenkt an diese Ausgeburt.

HEDE              
Bis hierhin habe ich den größeren Vermögensanteil eingebracht.

FELIX              
Wir sind zuversichtlich, was meinen Teil betrifft.

HANNAH        
Unter den gegebenen Umständen wäre ich das nicht.

UNA                
Das freut mich für euch.

SAMARIA       
Ich hab’s doch gesagt.

HANNAH        
Dieser Ort ist mein Grab.

UNA                
Ich habe auch Neuigkeiten. Oma hat sich diese Insel gekauft.

HEDE              
Deswegen sind wir eingeladen.

HANNAH        
Ich habe euch bitten lassen, um euch den Platz zu zeigen, an dem ihr mich beerdigen werdet. 

HEDE              
Herzlichen Glückwunsch! Du hast eine ausgezeichnete Stelle ausgesucht. Die Hitze wird dich rasch zersetzen. 

HANNAH        
Diese Insel war eigentlich auch für dich gedacht, Felix.

FELIX              
Als Hochzeitsgeschenk?

HEDE              
Es lohnt sich noch, hierher gekommen zu sein. 

HANNAH        
Das entscheiden die, die mich überleben. 

UNA                
Ich kann es ihr nicht ausreden, sich dieses wunderbare Eiland als Gruft vorzustellen.

SAMARIA       Hier ist es wie in den Alpen.

FELIX              
Das ist doch nicht dein Zuhause. Oma, was denkst du dir nur aus? 

HANNAH        
Es ist ein wunderbarer Ort. Ich möchte, dass Samaria euch hinführt. 

SAMARIA       
Zum Gemeinschaftshaus?

HANNAH        
Es ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. 

SAMARIA       
Es ist ein Denkmal.

HANNAH        
Ein Kunstwerk.

HEDE              
Jetzt bekommst du deine Flitterwochen mit Kultur. 

FELIX              
Was wünscht man sich mehr? 

UNA                
Trotz der allgemeinen Freude wirst du bis aller Tage Abend leben. Du wirst deine Urenkel aufwachsen sehen und dich an ihnen erfreuen, weil sie von deinem Schlag sind. Du wirst ihnen von früher erzählen und sie werden gar nicht glauben können, dass die Welt einmal so ausgesehen hatte. Das ist doch ein wunderbares Bild. 

FELIX              
Der Tod ist noch weit entfernt.

HANNAH        
Er ist mir einen Schritt voraus.

SAMARIA       
Auf Samoa sagt man, der Tod ist des Menschen Genosse.

FELIX              
Lass dir kein dummes Geschwätz einreden von Wilden. 

HANNAH        
Ich bin eine alte Dame, die mit wachen Augen beobachtet, wie er mir zu Leibe rückt. Er schleicht sich von vorne an. Er tut, als ob ich ihn nicht sähe. Das ist seine Hinterlist. Der Tod ist ein fieser Spieler.

SAMARIA       
Der Tod ist unser Verbündeter.

HANNAH        
Schluss jetzt mit deinen Sprüchen!  

HEDE              
Ach, über den Tod kann man nicht sprechen.

SAMARIA       
Ich schweige.

HANNAH        
Macht euch keine Hoffnungen. Ich halte mit ihm Blickkontakt. 

FELIX              
Oma, Hede hat recht. Solange du von ihm redest, lebst du.

UNA                
Beau, Felix. 

FELIX              
Wir werden ihn aufhalten mit Geld, Medizin und Maschinen. 

UNA                
Bis er auftritt, ist es noch ein Leben lang.

HANNAH        
Die Sehnsucht wächst. Die Welt macht eure Oma müde. Sie ist ein Chaos, wenn ich sie nicht in Ordnung bringe. Ihr seid meine Schafe, um die ich mich noch zu kümmern habe. Dann soll Schluss sein.

HEDE              
Hast du auch an ein Testament gedacht?

HANNAH        
Sicher. Samaria liest euch meinen letzten Willen vor.

FELIX              
Deswegen sind wir hier!

UNA                
Ich wollte es nicht sagen. Ich habe es mir aber gedacht. 

FELIX              
Erst diese Insel…

UNA                
…und jetzt noch wir versammelt.

HEDE              
Ohne eure Väter!

FELIX              
Man soll nicht zu viel erwarten.

UNA                
Wie gierig kann man eigentlich sein?

HANNAH        
Samaria, lies vor!

(…)

© Patrick Schneider, 2017